Vergangene Woche sind die ersten Lambretta Modelle bei uns eingetroffen. Unmittelbar habe ich mich mit den Fahrzeugen auseinander gesetzt und konnte einen vertieften Eindruck bezüglich Ausführung und Qualität gewinnen, welchen ich gerne weiter gebe. Um es vorne weg zu nehmen: der Gesamteindruck fällt auch unter neutraler Betrachtung deutlich positiver als erwartet aus. Ohne Licht kein Schatten, aber im Verhältnis zum Kaufpreis bietet die Lambretta eine Bauqualität, die auch Mechaniker begeistern kann. Schauen wir doch mal genauer hin:

Motor

Der Motor stellt kein Wunder der Technik dar, präsentiert sich jedoch ordentlich und aufgeräumt. Nach Entfernung der beiden Seitenpanels und des Gepäck-Einsatzes unter der Sitzbank ist der Antrieb erstaunlich gut zugänglich. Kabel und Schläuche sind ordentlich verlegt, Stecker und Verbindungen weisen eine gute Qualität auf. Schlauchschellen sind bis auf wenige Ausnahmen Schlauch – schonend ausgeführt und in ihrer Position gekennzeichnet. Leitungen und Halter sind verzinkt und gegen Rost geschützt. Seilzüge zeichnen sich durch ausreichende Verstell-Möglichkeiten aus. Das Steuergerät sitzt direkt auf dem Drosselklappen-Körper und umgeht dadurch anfällige Steckverbindungen. Die Zugänglichkeit zum Einstellen der Ventile ist gewährleistet. Der Auspuff ist matt gespritzt und weisst keine aussergewöhnlichen Vorkehrungen gegen Rost auf, besitzt dafür eine schicke Blende.

Karosserie und Lackqualität

Die Pressblech – Struktur in Verbindung mit dem Hilfsrahmen und den Panels sind gut lackiert, inklusive Durchführungen und Schraubenlöcher. Potentielle Roststellen sind nicht erkennbar. Die Abdeckungen sind aus Kunststoff, ihre Spaltmasse entsprechen dem Klassenstandard. Die Fixierung der Panels ist durchdacht und ermöglicht die einwandfreie Befestigung. Das vordere Handschuhfach ist keine Referenz hinsichtlich Passgenauigkeit, erfüllt jedoch den Zweck. Anbauteile wie Blinker und Blenden sind gut eingepasst und zeichnen sich durch geringe Spaltmasse aus. Die Lackqualität insgesamt ist sehr gut.

Anbauteile

Das eigentliche Highlight der Lambretta: Dort wo bei der Konkurrenz Kunststoff verwendet wird, werden bei Lambretta konsequent Aluminium Druckgussteile verbaut: Von Karosserie – Piping über die Gehäuse der Bedienelemente, Karosserie-Gitter, Haltegriffe und Sitzbank-Halterungen bis zu den Lenkerabschluss-Stücken sind alle Teile entsprechend gefertigt. Sogar der unter der Sitzbank platzierte Tankdeckel ist mit praktischer aufklappbarer Fahne und Lambretta – Schriftzug in Aluminium ausgeführt. Hier setzt Lambretta den Klassenstandard und trägt viel zum hochwertigen Erscheinungsbild bei. Die Rückspiegel sind formschön ausgeführt, ihre Verchromungs-Qualität entspricht dem Klassenstandard.

Sitzbank

Die Ausführung der Sitzbank besticht durch wertig wirkende Materialien und einen schönen Verlauf der kontrastreichen Nähte. Der Sitzbezug folgt sogar an schwierigen Stellen wie den angebauten Alu-Druckgussteilen der Sitzkontur. Das flache und breite Design der Sitzbank trägt viel zum ordentlichen Erscheinungsbild der Lambretta bei. Der Komforteindruck ist sehr gut, kann jedoch noch nicht abschliessend beurteilt werden. Die Befestigung der Sitzbank an der Karosserie erfolgt über eine Druckgussteil und macht einen stabilen Eindruck. Leider ist der Gelenkbolzen lediglich abgesteckt und weisst konstruktionsbedingt merkliches Spiel auf. Der in der Sitzbank-Halterung integrierte Auszug erlaubt das Anhängen von Einkaufstüten und ist ein nützliches Gadget.

Ständer

Der Hauptständer ist an einer vertrauensvollen Mechanik mit langem Ausleger befestigt. Dies ermöglicht das Kräfte-schonende Aufbocken der Lambretta und ist auch von einer Frau zu bewerkstelligen. Die Gute Funktion des Hauptständers wird durch eine doppelte Feder und eine Auflagepuffer untermalt und spielt ihm beim Abstellen des Fahrzeugs die zentrale Rolle zu. Der Seitenständer ist verhältnismässig kurz und dient dem schicken „posen“ der Lammy.  Sowohl Haupt- wie auch Seitenständer sind ordentlich verarbeitet und schwarz gespritzt.

Tacho und Display

Die Geschwindigkeitsanzeige präsentiert sich analog und im klassischen Lambretta Design. Ergänzt wird sie durch die darunter liegende Digitaldisplay mit nützlichen Zusatzinformationen. Nach einem Systemcheck beim Einschalten der Zündung erscheint auf dem Display eine Tageszeit- abhängige Begrüssungsnachricht. Im Anschluss werden im Umfeld der zentralen Drehzahl nützliche Zusatzinformationen wie Benzinstand, Uhr, Kilometer- und Tageskilometerstand sowie die Batteriespannung angezeigt. Die Bedienung folgt über einen Set-Knopf am rechten Lenker und erfordert kein Ingenieurstudium. Die Anzeige – Einheit von Lambretta schafft wiederum den Spagat zwischen nostalgischem Design und moderner Informationsvielfalt.

Fazit

Beim Betrachten der V125 Special werde ich den Eindruck nicht los, das die Wiederbelebung von Lambretta definitiv geglückt ist. Die Ausführung wirkt wertig und bis ins Detail liebevoll mit dem klassischen Lambretta Design versehen. Die Technik setzt keine neuen Maßstäbe, vertritt jedoch gehobenen Klassenstandard. Vorurteile über italienische Fertigung, z.B. im elektrischen Bereich, dürfen definitiv über Bord gekippt werden. Insgesamt bietet die Lambretta ein hervorragendes Preis – Leistungsverhältnis. Der wahre Kaufgrund dürfte jedoch das charaktervolle Design sein, welches den klassischen italienischen Lebensstil perfekt in unsere Zeit transportiert.

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