Wer hat nicht mal Lust, Rennstreckenluft auf zwei Rädern zu schnuppern? Dazu braucht es kein 30’000 Franken Bike: der Spass soll im Vordergrund stehen, nicht das Material. Zu Beginn geht es erst mal darum, Erfahrungen zu sammeln und sich selbst zu trainieren. Die absolute Rundenzeit ist zunächst ebenso unwichtig wie die Konkurrenzfähigkeit des Gerätes. Das Bike soll Dir erste Erfahrungen auf der Rennstrecke ermöglichen und Dich auch bei einem Ausflug ins Kiesbett nicht gleich ruinieren.

LEDENON

Allerdings sollte Dein Bike über folgende Eigenschaften verfügen:

  • Sicherheit: Dein Bike soll so vorbereitet sein, dass Du weder Dich noch Andere gefährdest 
  • Zuverlässigkeit: Um die Fahrzeit bei Track Days optimal zu nutzen, soll Dein Bike einwandfrei funktionieren. Die Praxis zeigt, dass viele Bikes ungenügend vorbereitet sind. Dies nicht zuletzt auf Grund der fehlenden Probemöglichkeiten (keine Strassenzulassung)
  • Reproduzierbarkeit: Deine Leistungen sollen zu Vergleichszwecken reproduzierbar sein. Dies erfordert, dass Dein Paket ausgeglichen ist und in einem weiten Bedingungsfeld gleich gut funktioniert. Zu Vergleichszwecken ist es ideal, wenn möglichst wenig Faktoren (wie z.B. Reifen), verändert werden.
  • Toleranz: Dein Bike soll Dir Fehler verzeihen. Das scheint mir wichtiger als ein potentiel sehr schnelles Bike mit einem schmalen Grenzbereich zu bewegen.
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Welche Fahrzeugklasse eigener sich den für den Einstieg? Unbestritten haben schwache und leichte Bikes folgende Vorteile:

  • Fahrfehler können nicht durch Motorleistung ausgeglichen werden und sind unmittelbar aus der Rundenzeit ablesbar: dies fördert Deinen Fahrstil und Deine Linienwahl. 
  • Keine Überforderung: Anstatt Dich krampfhaft am Bike fest zu halten, kannst Du Dich auf die Verbesserung Deines Fahrstils konzentrieren
  • Ein leichtes Bike bietet automatisch einen grösseren Grenzbereich, der Dir den einen oder anderen Ausflug ins Kiesbett erspart
  • Obwohl die Kurvengeschwindigkeiten meist höher sind, reduzieren sich die maximalen Geschwindigkeiten: Das gibt Dir Zeit, Dich an Deine Bremspunkte heran zu tasten.
  • Der Verbrauch an Verschleissmaterial wie Reifen, Bremsbeläge etc. wird massiv reduziert, was die Betriebskosten Deines Bikes deutlich beeinflusst
  • Die Abstimmung ist einfacher und toleranter als bei 200 PS Raketen…

Schauen wir uns die am besten geeigneten  Klassen mal an:

Kleine 4-Takter bis 500ccm

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Vertreter der Klasse wie die Yamaha R3, Kawasaki Ninja 400 oder Honda CBR500R eigenen sich hervorragend für den Einstieg: Leistungen zwischen 40 und 50 PS sind in Kombination mit einem rennfertigen Gewicht unter 150 kg ein guter Lehrmeister. Die meist mit einem Reihen – Zweizylinder – Motor ausgestatteten Bikes sind sowohl im Ankauf wie auch im Unterhalt erschwinglich. Mit ein wenig Umbauaufwand kannst Du Dir ein fahraktives Rennbike zusammen stellen mit nur einem Ziel: fahren, fahren, fahren…. und Dich durch die gesammelten Erfahrungen zu verbessern. Die Leistungsklasse macht auch kleine (für uns nahe gelegene) Rundkurse interessant und benötigt keine GP – Strecken. Richtig spannend wird es, wenn sich mehrere Fahrer der gleichen Klasse einfinden. Wer es dann Ernst meint schaut sich mal den R3 Blue Cup von Hostettler an:  an. Mein Tipp für junge Einsteiger mit Ambitionen. 

Supersport (600 / 675 / 750 ccm)

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Die gesunkenen Verkaufszahlen der 600-er haben zu einem teilweisen Rückzug der Hersteller aus dieser Klasse geführt. Das Angebot an preiswerten Gebrauchten ist relativ dünn: Oft sind Liter – Bikes gleichen Alters billiger zu haben. Der Einsatzbereich ist sehr gross und Du kannst problemlos bei klassenübergreifenden Track Days mitmachen. Ersatz- und Sturzteile sind auch gebraucht leicht zu finden, besonders wenn Du Dich für einen Standard wie die Honda CBR600R oder für die Yamaha R6 entscheidest. Sinnvoll scheinen mir gebrauchte Bikes zwischen 2006 und 2014, welche noch weit gehend ohne elektronische Fahrhilfen auskommen. Mit rund 120 PS bei rennfertig 170 kg die goldene Mitte und eine uneingeschränkte Empfehlung für Freunde des Rennfeelings bei hohen Drehzahlen.

Open Bikes

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Sportliche Gebrauchte mit über 900ccm sind zahlreich am Markt vertreten, was sie im Ankauf preiswert macht. Die Leistungen der Bikes zwischen 2005 und 2018 schwankt zwischen 140 und 180 PS, elektronische Fahrhilfen sind bei den früheren Modellen kaum vorhanden. Die Motorräder sind trotz ähnlichem Gewicht wie die 600-er aufgrund erhöhter rotierender Massen meist träger als ihre Supersport – Pendants. Im Unterhalt ist diese Klasse bereits teurer als die beiden voran gegangenen, primär aufgrund des erhöhten Reifenverschleisses. Durchaus eine Option für bereits erfahrene Piloten, wenn auch der Lerneffekt nicht ganz der selbe ist wie in den beiden kleineren Kategorien.

Gerne komme ich in einem nächsten Blog auf die Umbaumassnahmen zu sprechen und erläutere den Umbau zum “Low cost Race bike”.

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